{"id":313,"date":"2016-01-09T18:03:03","date_gmt":"2016-01-09T18:03:03","guid":{"rendered":"http:\/\/fionaendres.ch\/Wordpress\/?p=313"},"modified":"2016-01-09T18:06:03","modified_gmt":"2016-01-09T18:06:03","slug":"koelner-skandalnacht-eine-gratwanderung-fuer-die-medien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fionaendres.ch\/Wordpress\/koelner-skandalnacht-eine-gratwanderung-fuer-die-medien\/","title":{"rendered":"K\u00f6lner Skandalnacht: Eine Gratwanderung f\u00fcr die Medien"},"content":{"rendered":"<div class=\"LD\">\n<p class=\"P\"><strong>Die \u00dcbergriffe an Silvester fordern nicht nur Polizei und Politik, sondern auch die Journalisten. Es ist ein schmaler Grat zwischen verantwortungsvoller Berichterstattung und Selbstzensur.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p class=\"P\">Die Reaktionen auf die \u00dcbergriffe der Silvesternacht in K\u00f6ln haben viel Protest ausgel\u00f6st. Kritik an der Polizei, weil sie zu z\u00f6gerlich reagiert hat. Kritik an der Politik, weil sie die Vorf\u00e4lle f\u00fcr eigene Zwecke missbraucht hat. Kritik an den Medien, weil sie Vermutungen zu Fakten umgewandelt haben.<\/p>\n<p class=\"P\">Die \u00dcbergriffe wurden von Journalisten weltweit aufgegriffen. W\u00e4hrend die ausl\u00e4ndischen Medien von der \u00abNew York Times\u00bb bis zur rum\u00e4nischen \u00abAdevarul\u00bb schon schnell einen Zusammenhang zwischen Migranten, Merkels Asylpolitik und den \u00dcbergriffen sahen, winden sich die deutschen Leitmedien seit Tagen um die heikle Frage.<\/p>\n<p class=\"P\"><!--more--><\/p>\n<p class=\"P\"><strong>Die Medien h\u00fcten sich davor, vorschnelle Schl\u00fcsse zu ziehen<\/strong><\/p>\n<p class=\"P\">F\u00fcr Journalisten sind solche Ereignisse eine Herausforderung. Sie stecken in der Zwickm\u00fchle zwischen verantwortungsvoller Berichterstattung und Selbstzensur. \u00dcbergriffe in einem solchen Ausmass hat es in Europa noch nicht gegeben. Daf\u00fcr die richtige Sprache, das richtige Tempo zu finden, ist schwierig. Insbesondere, weil die Stimmung in den sozialen Netzwerken durch die Pegida, die Alternative f\u00fcr Deutschland und andere \u00abbesorgte B\u00fcrger\u00bb, wie Politikverdrossene in Deutschland genannt werden, schon hitzig genug ist. Es ging nicht lange und die Vorsitzende der Alternative f\u00fcr Deutschland, Frauke Petry, meldete sich: \u00abIst Ihnen unser Land nun bunt genug, Frau Merkel?\u00bb<\/p>\n<p class=\"P\">Die deutschen Medien h\u00fcteten sich in den letzten Tagen davor, vorschnelle Schl\u00fcsse zu ziehen. Bei einem so heiklen Thema und der d\u00fcnnen Faktenlage ist das wichtig und gut. In diesem Fall grenzte es jedoch teilweise an Selbstzensur. Das Paradebeispiel dieser Unsicherheit war der Versuch der Sendung \u00abHeute Plus\u00bb, auf Twitter die Zuschauer zu fragen, welche Berichterstattung ad\u00e4quat w\u00e4re. \u00abWas denkt ihr: Wie sollte @heuteplus \u00fcber die Angriffe in der Silvesternacht in K\u00f6ln berichten?\u00bb Die Reaktion der User war vernichtend. Zu Recht: Die Sendung gab ihre Unabh\u00e4ngigkeit und zu einem gewissen Teil auch ihre Legitimation als Meinungsmacher auf. Schliesslich verzichtete die Sendung am Montag komplett darauf, die \u00dcbergriffe aufs Programm zu nehmen, bezeichnete dies sp\u00e4ter aber als \u00abklaren Fehler\u00bb. Diese Unsicherheit zeigte sich auch am Donnerstag mit dem Publikwerden des Polizeiberichts der Silvesternacht. \u00abBild\u00bb und die \u00abS\u00fcddeutsche Zeitung\u00bb druckten beide den Bericht unkommentiert ab. Keiner wollte sich die Finger verbrennen.<\/p>\n<p class=\"P\"><strong>\u00abSpiegel online\u00bb schreibt vom \u00abErziehungs-Journalismus\u00bb<\/strong><\/p>\n<p class=\"P\">Die Unsicherheit gipfelt eigentlich in einer Frage: Spielt es eine Rolle, ob die T\u00e4ter \u00abnordafrikanisches oder arabisches Aussehen\u00bb haben? In sozialen Netzwerken ging die Diskussion schnell in alle Richtungen los. Fl\u00fcchtlinge, Muslime, Angela Merkel, Frauen, sie alle waren schuld, dass es so weit kommen konnte. Auch die Feministin Alice Schwarzer meldete sich zu Wort, indem sie die Vorf\u00e4lle als \u00abdas Produkt einer falschen Toleranz\u00bb bezeichnete.<\/p>\n<p class=\"P\">Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) teilte am Donnerstag mit, dass er eine Ausweisung straff\u00e4lliger Asylbewerber nicht ausschliesst. Auch Bundesinnenminister Thomas de Maizi\u00e8re erkl\u00e4rte, die Abschiebung straff\u00e4lliger Asylbewerber erleichtern zu wollen. \u00abWer schwere Straftaten begeht, in welchem Status auch immer er sich befindet, der muss damit rechnen, aus Deutschland abgeschoben zu werden\u00bb, sagte der CDU-Politiker.<\/p>\n<p class=\"P\">W\u00e4hrenddessen halten sich die deutschen Leitmedien in dieser Frage im Hintergrund. Der \u00abSpiegel\u00bb-Kolumnist Jan Fleischhauer kritisiert dieses Verhalten der Medien und bezeichnet es als \u00abErziehungs-Journalismus\u00bb. Es herrsche bei einem Teil der Bev\u00f6lkerung der Eindruck, Medien w\u00fcrden eher einem p\u00e4dagogischen als einem journalistischen Auftrag folgen. Bezugnehmend auf K\u00f6ln nennt er das Beispiel des \u00abbraven Gewerkschaftsmanns\u00bb der Polizei, der ermahnt, dass der K\u00f6lner Sachverhalt nun vom rechten politischen Spektrum genutzt werden k\u00f6nnte. \u00abDas ist das Enervierende am Nanny-Journalismus\u00bb, schreibt Fleischhauer: \u00abEs gibt kein Bild und keinen O-Ton, bei denen man den Menschen nicht dazu sagt, welchen Reim sie sich darauf zu machen haben.\u00bb<\/p>\n<p class=\"P\">Es sind emotionale Tage f\u00fcr Deutschland. Das sieht man nur schon an der Reaktion auf die Ratschl\u00e4ge der K\u00f6lner Oberb\u00fcrgermeisterin Henriette Reker. Nach den \u00dcbergriffen gab sie bei einer Pressekonferenz den Ratschlag, Frauen sollten eine Arml\u00e4nge Abstand vor Fremden halten, um sich selbst zu besch\u00fctzen. Naiv und respektlos sei das, wurde Reker auf Twitter beschimpft. Der Hashtag #einearmlaenge sammelte die w\u00fctigen Kommentare der Kritiker, die Reker vorwarfen, Vergewaltigungen zu verharmlosen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u00dcbergriffe an Silvester fordern nicht nur Polizei und Politik, sondern auch die Journalisten. Es ist ein schmaler Grat zwischen verantwortungsvoller Berichterstattung und Selbstzensur. Die Reaktionen auf die \u00dcbergriffe der Silvesternacht in K\u00f6ln haben viel Protest ausgel\u00f6st. Kritik an der Polizei, weil sie zu z\u00f6gerlich reagiert hat. 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