{"id":391,"date":"2015-06-14T21:43:00","date_gmt":"2015-06-14T21:43:00","guid":{"rendered":"http:\/\/fionaendres.ch\/Wordpress\/?p=391"},"modified":"2016-10-17T09:02:59","modified_gmt":"2016-10-17T09:02:59","slug":"das-geschaeft-mit-den-falschen-waisen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fionaendres.ch\/Wordpress\/das-geschaeft-mit-den-falschen-waisen\/","title":{"rendered":"Das Gesch\u00e4ft mit den falschen Waisen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Experten warnen vor Freiwilligenarbeit in Waisenh\u00e4usern. Menschenh\u00e4ndler in Nepal nutzen die Grossz\u00fcgigkeit westlicher Spender aus.<\/strong><\/p>\n<p>Als Joanie den goldenen Palast vor sich sieht, kommen ihr die Tr\u00e4nen: \u00abHier ging das ganze Geld hin\u00bb, schluchzt sie und dreht sich weg. So sehr hatte sie gehofft, dass es das Waisenhaus nicht mehr gibt. Doch hier steht es: ausgebaut zur Traumvilla. Mit goldenen Ver\u00adzierungen und grossen Fenstern. \u00adNeben den vom Erdbeben zerst\u00f6rten H\u00e4usern wirkt es makaber und l\u00e4cherlich.<\/p>\n<p class=\"P\">Vor sechs Jahren hat die Amerikanerin zusammen mit ihrem Freund Mark in diesem Haus Freiwilligenarbeit geleistet. Als Volunteers, Freiwillige, die sich im Ausland in Hilfsprojekten engagieren, kamen sie nach Nepal. Hochmotiviert, Gutes zu tun. Doch bald merkte Joanie, dass \u00adetwas nicht stimmte: \u00abDie Kinder wurden in kleinen R\u00e4umen ge\u00adhalten und kriegten nur Reis\u00bb. Sie habe auch Geschenke mitgebracht: \u00abDoch diese wurden in ein Zimmer gesperrt und sp\u00e4ter verkauft. Die Kinder sahen davon nie etwas.\u00bb Dann merkte Joanie, dass die Heimleiterin die Kinder schlug, einem Kind wurde der Arm gebrochen. Nach nur einer Woche hatten die zwei Kalifornier das <span class=\"recomDescriptiveWord\">Waisen<\/span>\u00adhaus frustriert verlassen. Zu Hause angekommen, meldeten sie ihre schlechten Erfahrungen bei der Vermittlungsagentur. Diese versprach, sich darum zu k\u00fcmmern.<\/p>\n<p class=\"P\">\u00abDiese Bilder konnte ich nie mehr vergessen\u00bb, sagt Joanie. Deshalb ist sie zusammen mit Mark nochmals nach Nepal geflogen. Sechs Jahre nach ihrem schlechten Erlebnis im Waisenhaus. Sie wollen sicher sein, dass die Vermittlungsagentur tats\u00e4chlich etwas gegen die Besitzer des Hauses unter\u00adnommen hat.<\/p>\n<p class=\"P\">Die K\u00f6chin des Waisenhauses \u00f6ffnet die T\u00fcr. Sie d\u00fcrfe nichts sagen, murmelt sie. Aber ja, hier w\u00fcrden noch die Besitzer des Waisenhauses wohnen: \u00abDie Kinder wurden weggebracht.\u00bb Wohin? \u00abDas weiss ich nicht.\u00bb Mit dem Geld von Freiwilligen wie Joanie und Mark haben sich die Besitzer des <span class=\"recomDescriptiveWord\">Waisen<\/span>\u00adhauses einen Palast gebaut \u2013 anstatt f\u00fcr die Kinder zu sorgen.<\/p>\n<p class=\"P\">In Nepal befinden sich die meisten Waisenh\u00e4user in Stadt- und Touristenregionen. Von 200 Institutionen sind nur 20 staatlich organisiert. Der Rest wird von Privaten verwaltet. Ihr einziges Einkommen sind ausl\u00e4ndische Spenden und die Geb\u00fchren von Volunteers. Bis zu 500 Franken bezahlen Europ\u00e4er f\u00fcr eine Woche Freiwilligenarbeit. Vermittlungsagenturen zwacken etwa ein Zehntel f\u00fcr administrative Kosten ab. Doch es bleibt immer noch sehr viel Geld f\u00fcr die Verwalter der Waisenh\u00e4user. In Nepal liegt der durchschnittliche Monatslohn bei 50 \u00a0 Franken.<\/p>\n<p class=\"P\">Das Gesch\u00e4ft mit den Waisenh\u00e4usern ist lukrativ. Das schnelle Geld beg\u00fcnstigt Betr\u00fcger und Menschenh\u00e4ndler. Gem\u00e4ss einer Studie von Unicef sind rund 80 Prozent der <span class=\"recomDescriptiveWord\">Waisen<\/span> gar keine richtigen <span class=\"recomDescriptiveWord\">Waisen<\/span>. Das heisst, sie haben noch mindestens ein Elternteil, der sich um das Kind k\u00fcmmern k\u00f6nnte. Weitere Studien \u00adzeigen \u00e4hnliche Zahlen.<\/p>\n<p class=\"ZT\"><strong>Auch Schweizer Organisationen bieten Eins\u00e4tze mit <span class=\"recomDescriptiveWord\">Waisen<\/span> an<\/strong><\/p>\n<p class=\"P\">Ein Viertel der Schweizer Bev\u00f6lkerung \u00fcber 15 \u00a0 Jahre engagiert sich freiwillig. Gem\u00e4ss einer Erhebung der Universit\u00e4t Bern finden f\u00fcnf Prozent dieser Eins\u00e4tze ausserhalb der Schweiz statt. Hochgerechnet sind dies \u00fcber 80 000 Schweizer, die Freiwilligenarbeit im Ausland leisten. Wie viele davon nach Nepal reisen, ist schwierig einzusch\u00e4tzen. Die grossen Agenturen geben an, j\u00e4hrlich je rund 200 \u00a0 Schweizer nach Nepal zu vermitteln.<\/p>\n<p class=\"P\">Auch in der Schweiz werden Eins\u00e4tze mit <span class=\"recomDescriptiveWord\">Waisen<\/span> offeriert. Bei Praktikum.ch (Globetrotter Group) kostet ein solches Projekt inklusive Yogalektion 800 Franken f\u00fcr drei Wochen. Wie kann Globetrotter gew\u00e4hrleisten, dass bei den Projekten keine Kinder zu Schaden kommen und es sich um richtige <span class=\"recomDescriptiveWord\">Waisen<\/span> handelt? Man f\u00fchre die Projekte nicht selbst durch, sagt eine Sprecherin, sondern \u00fcber die Partnerorganisation Travelworks. Diese kontrolliere die Projekte pers\u00f6nlich vor Ort. Doch bei Travelworks will man auf Anfrage keine weiteren Ausk\u00fcnfte geben. Pro Linguis bietet auf ihrer Website auch Eins\u00e4tze mit <span class=\"recomDescriptiveWord\">Waisen<\/span> via einen Partner an. Man nehme selbst an Projekten teil, meldet Pro Linguis: \u00abEs ist uns ein Anliegen, uns ein Bild vom Programm und der Umgebung zu machen\u00bb.<\/p>\n<p class=\"ZT\"><strong>Kinder verlieren Kontakt zu \u00a0ihren Familien<\/strong><\/p>\n<p class=\"P\">Diese falschen <span class=\"recomDescriptiveWord\">Waisen<\/span> seien Opfer von Menschenh\u00e4ndlern, erkl\u00e4rt Martin Punaks von Next Generation Nepal, einer Nichtregierungsorganisation (NGO) .<\/p>\n<p class=\"P\">Die Nepalesen wissen: Bildung ist der einzige Weg aus der Armut. Mit dem falschen Versprechen, ihre Kinder in eine privilegierte Schule zu schicken, werden die \u00adEltern \u00fcberredet, ihr Kind abzugeben. F\u00fcr diesen Service bezahlen die Eltern um die 450 \u00a0 Franken. In guten F\u00e4llen gehen sie zwar tats\u00e4chlich zur Schule, doch sie wachsen getrennt von ihren Familien auf und d\u00fcrfen nicht dar\u00fcber sprechen, dass sie noch Eltern haben.<\/p>\n<p class=\"P\">Die hohe Nachfrage f\u00fcr Hilfs\u00adeins\u00e4tze durch Freiwillige aus dem Westen f\u00f6rdere dieses Business, sagt Punaks. Seine Organisation k\u00e4mpft gegen Menschenh\u00e4ndler dieser Art und versucht, die falschen <span class=\"recomDescriptiveWord\">Waisen<\/span> wieder nach Hause zu bringen. Die H\u00e4ndler w\u00fcrden vor nichts zur\u00fcckschrecken: \u00abOft werden die Kinder geschlagen, damit sie bemitleidenswerter aussehen\u00bb. Und es w\u00fcrden Dokumente gef\u00e4lscht, um <span class=\"recomDescriptiveWord\">Waisen<\/span> zu erschaffen, die gar keine sind.<\/p>\n<p class=\"P\">Genauso erging es Meena, einem M\u00e4dchen aus der l\u00e4ndlichen Region Nepals. Ein Bekannter aus dem Dorf \u00fcberredete Meenas \u00adMutter, ihre Tochter abzugeben. Dem Waisenhaus legte er gef\u00e4lschte Papiere vor. Dort stand, dass Meenas Eltern im Sterben liegen w\u00fcrden und sie bald allein w\u00e4re.<\/p>\n<p class=\"P\">Doch Meena hatte Gl\u00fcck. Eine Mitarbeiterin von Next Generation Nepal bemerkte, dass Meenas Erz\u00e4hlungen \u00fcber ihre Eltern nicht den offiziellen Dokumenten entsprachen. Sie ging der Sache nach und fand die Familie, die nicht wusste, wo Meena hingebracht wurde. Nun ist das M\u00e4dchen wieder bei ihrer Familie und besucht die regul\u00e4re Dorfschule.<\/p>\n<p class=\"ZT\"><strong>Das Problem wird sich durch das Erdbeben versch\u00e4rfen<\/strong><\/p>\n<p class=\"P\">Punaks bef\u00fcrchtet, dass durch das erdbebenbedingte Elend mehr \u00adFamilien bereit sind, ihre Kinder wegzugeben. Die nepalesische Regierung hat dies erkannt und versucht, das kindersch\u00e4digende Business zu stoppen. Neue Waisenh\u00e4user wurden verboten, ebenso das Platzieren neuer <span class=\"recomDescriptiveWord\">Waisen<\/span> ohne Bewilligung durch die Regierung. Seit dem Erdbeben vor zwei Monaten haben die lokalen Beh\u00f6rden schon 250 \u00a0 Kinder abfangen k\u00f6nnen, die mit Menschenh\u00e4ndlern auf dem Weg zu einem Waisenhaus waren.<\/p>\n<p class=\"P\">Nach solchen Katastrophen w\u00fcrden sich diese Probleme verst\u00e4rken, sagt Emmanuelle Werner von Friends International, einer Genfer NGO, die sich gegen diese Art von Freiwilligenarbeit einsetzt. Das habe man nach dem Erdbeben in Haiti und dem Tsunami gesehen. Volunteering in Waisenh\u00e4usern sei nie eine gute Option: \u00abWir d\u00fcrfen nicht in eine Diskussion \u00fcber gute oder schlechte <span class=\"recomDescriptiveWord\">Waisen<\/span>\u00adh\u00e4user verfallen\u00bb. Kinder w\u00fcrden als Waren eingesetzt, um Spenden anzulocken. Es brauche ein Umdenken: \u00abAnstatt mehr <span class=\"recomDescriptiveWord\">Waisen<\/span> zu schaffen, sollen Projekte unterst\u00fctzt werden, die die Familien st\u00e4rken\u00bb.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Experten warnen vor Freiwilligenarbeit in Waisenh\u00e4usern. Menschenh\u00e4ndler in Nepal nutzen die Grossz\u00fcgigkeit westlicher Spender aus. Als Joanie den goldenen Palast vor sich sieht, kommen ihr die Tr\u00e4nen: \u00abHier ging das ganze Geld hin\u00bb, schluchzt sie und dreht sich weg. So sehr hatte sie gehofft, dass es das Waisenhaus nicht mehr gibt. 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