{"id":393,"date":"2015-05-14T21:55:41","date_gmt":"2015-05-14T21:55:41","guid":{"rendered":"http:\/\/fionaendres.ch\/Wordpress\/?p=393"},"modified":"2016-10-17T09:03:08","modified_gmt":"2016-10-17T09:03:08","slug":"nirmala-lacht-sati-redet-vom-weltuntergang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fionaendres.ch\/Wordpress\/nirmala-lacht-sati-redet-vom-weltuntergang\/","title":{"rendered":"Nirmala lacht, Sati redet vom Weltuntergang"},"content":{"rendered":"<div class=\"LD\">\n<p class=\"P\"><strong>Internationale Organisationen wollen das Leid der Bev\u00f6lkerung nach dem verheerenden Erdbeben in <span class=\"recomDescriptiveWord\">Nepal<\/span> lindern. Doch nicht jede Hilfe ist sinnvoll<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<p class=\"P\">Es riecht nach Desinfek\u00adtionsmittel und Leid. Patienten st\u00f6hnen, liegen bleich auf ihren Betten. Pl\u00f6tzlich h\u00f6rt man das helle Lachen eines M\u00e4dchens. Weisse Z\u00e4hne blitzen. Eifrig folgt Nirmala, 6, den Anweisungen des Physiotherapeuten und freut sich \u00fcber dessen Lob. Auf und ab, links und rechts. Ein B\u00fcndel Verbandsmaterial verdeckt den Stummel ihres rechten Beins, mit dem sie versucht, ihren Stoffhund zu ber\u00fchren.<\/p>\n<p class=\"P\">Am Tag des st\u00e4rksten Erdbebens, das <span class=\"recomDescriptiveWord\">Nepal<\/span> seit 80 Jahren heimsuchte, hatte sie mit zwei Freundinnen einen Zeichentrickfilm angeschaut. Als die Erde zu vibrieren begann, rannte Nirmala nach draussen. Ein grosser Stein traf ihr rechtes Bein. Es war zertr\u00fcmmert, die \u00c4rzte mussten es amputieren. Noch heute sucht Nirmala manchmal nach ihm, fragt: \u00abPapa, wann kriege ich mein Bein wieder?\u00bb Der Vater hat es noch nicht geschafft, seiner Tochter zu sagen, dass sie es f\u00fcr immer verloren hat.<\/p>\n<p class=\"P\">Mehr als 8200 Menschen sind an den Folgen der Erdbeben vom 25. April und 12. Mai gestorben, doppelt so viele wurden verletzt. Acht Millionen Nepalesen ben\u00f6tigen Hilfe. Die Regierung koordiniert die Rettungseins\u00e4tze zusammen mit der UNO. Zurzeit sind gesch\u00e4tzte 35 000 internationale Helfer im Einsatz, das entspricht einem Drittel der Beamten in <span class=\"recomDescriptiveWord\">Nepal<\/span>.<\/p>\n<p class=\"P\">Aus der Schweiz sind vierzehn NGOs aktiv. Eine davon ist Handicap International, die das Spital betreibt, wo Nirmala seit einem Monat liegt. Es heisst \u00abBir\u00bb \u2013 nepalesisch f\u00fcr \u00abmutig\u00bb. Die ganze Familie schl\u00e4ft im Spital, zu viert in einem Bett. Nirmalas Vater hadert damit, dass er nicht da war, um seine Tochter zu besch\u00fctzen. Und er sorgt sich um ihre Zukunft. Denn die Familie geh\u00f6rt einer buddhistischen Minderheit in der Bergprovinz Sindhupalchok an. Sie wird in <span class=\"recomDescriptiveWord\">Nepal<\/span> oft diskriminiert. Und weil ihre Angeh\u00f6rigen in den entlegensten Gebieten wohnen, kam die Hilfe sehr sp\u00e4t an.<\/p>\n<p class=\"ZT\"><strong>Plastikblachen, K\u00fcchenger\u00e4te und Tabletten erreichten das Dorf sp\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p class=\"P\">Dabei h\u00e4tte die Region Unterst\u00fctzung bitter n\u00f6tig. 90 Prozent der H\u00e4user wurden durch die Beben zerst\u00f6rt. Doch noch immer haben die Hilfsorganisationen nicht alle D\u00f6rfer erreicht. Auch Subma Laxmi Lamas Haus stand in Sindhupalchok. Geblieben ist nur ein Haufen aus Ziegelsteinen, Stofffetzen und zersplittertem Holz. Aus den Resten ihres Hauses hat die 54-J\u00e4hrige nun ein neues Zuhause f\u00fcr sich und ihre f\u00fcnf Kinder geschaffen. Mit Wellblech und Bambus. Die verteilten Hilfsg\u00fcter blieben unbenutzt.<\/p>\n<p class=\"P\">Die Nothilfe-Organisation Medair verteilte in diesem Dorf erst letzte Woche Plastikblachen, K\u00fcchenutensilien und Tabletten, um das Trinkwasser zu reinigen. Es sei aufwendig, diese Gebiete zu erreichen, da Erdrutsche die Strassen blockierten, verteidigt Wendy van Amerongen von Medair die sp\u00e4te Ankunft. Aber h\u00e4tten diese Leute die Hilfe nicht am dringendsten gebraucht? Van Amerongen sagt: \u00abWir konnten ja auch nicht einfach mit den vollen Lastwagen an allen anderen auf der Strecke vorbeifahren.\u00bb<\/p>\n<p class=\"P\">In einem Schulbuch steht: \u00abDie Weissen sind wie G\u00f6tter.\u00bb Dies zeigt, wie viel Respekt die Nepalesen den europ\u00e4ischen NGOs entgegenbringen. Doch die Hilfsorganisationen werden immer mehr kritisiert. \u00abNach dem Erdbeben gab es keine andere Wahl, als die internationale Gemeinschaft um Hilfe zu bitten\u00bb, sagt Bhadra Sharma, ein Journalist in der Hauptstadt Kathmandu. Doch einige Organisationen w\u00fcrden mehr schaden als n\u00fctzen: \u00abDie Hilfsg\u00fcter werden unfair verteilt, das f\u00fchrt zu Missgunst.\u00bb Auch w\u00fcrden die lokalen Beh\u00f6rden nicht genug kontrolliert: \u00abEs gibt Beamte, die eine zu hohe Opferzahl angeben, damit sie f\u00fcr ihr Gebiet mehr G\u00fcter erhalten. So bereichern sie sich selbst\u00bb, sagt Sharma.<\/p>\n<p class=\"P\">Bei Subma liegen die verteilten Plastikblachen in einer Ecke. \u00abSie sind nicht stark genug, um uns gegen den Wind und den Regen zu sch\u00fctzen\u00bb, sagt sie. Sie l\u00e4chelt, es bilden sich F\u00e4ltchen in der ledrigen, gebr\u00e4unten Haut. Bald komme der Monsun, sp\u00e4testens dann h\u00e4tte sie sowieso eine festere Unterkunft gebraucht. Auch bei anderen Familien bleiben Hilfsg\u00fcter in der Verpackung. \u00abDie Leute brauchen sie nicht\u00bb, sagt auch Bhadra Sharma. Die Blachen seien von schlechter Qualit\u00e4t und das Wasser in den D\u00f6rfern sei sauber: \u00abSie trinken es sonst auch ohne Tabletten drin.\u00bb Medair sieht es anders. Das Wasser sei durch die Bewegungen der Erde verschmutzt worden. Ausserdem wolle man mit der Nothilfe eine erste Entlastung geben, l\u00e4ngerfristige Hilfe stehe sp\u00e4ter im Fokus.<\/p>\n<p class=\"ZT\"><strong>Submas Mann war seit dem Erdbeben nicht wieder im Dorf<\/strong><\/p>\n<p class=\"P\">Bis Subma wieder in einem richtigen Haus wohnen kann, wird es zwei Jahre dauern. Das Baumaterial wird rar, die Preise steigen. Ein neues Heim koste sie wegen der Transportkosten \u00fcber 10 000 Franken, sch\u00e4tzen lokale Helfer. Subma hat das provisorische Haus alleine aufgebaut. Ihr Mann arbeitet auf einem Feld so weit weg, dass er seit dem Erdbeben noch nicht im Dorf war. Sie senkt den Blick auf den sandigen Boden: \u00abVielleicht weiss er noch gar nicht, dass unser Zuhause nicht mehr da ist.\u00bb<\/p>\n<p class=\"P\">L\u00e4ngerfristige Hilfe bietet Terre des hommes an. Schulen und Gesundheitszentren werden wieder aufgebaut. Zudem sollen mit einem Projekt f\u00fcr traumatisierte Kinder auch nicht sichtbare Wunden geheilt werden. Viele Nepalesen f\u00fcrchten sich vor einem erneuten Beben und trauen sich nicht mehr, ein Geb\u00e4ude zu betreten. Sie schlafen in Zelten, auch wenn ihr Haus noch bewohnbar w\u00e4re.<\/p>\n<p class=\"P\">Die achtj\u00e4hrige Sati wurde beim Erdbeben versch\u00fcttet. Ausser einer Prellung am Bein blieb sie unverletzt. \u00abAlle fragen sie, warum sie \u00fcberlebt hat\u00bb, klagt ihre Mutter. So k\u00f6nne Sati ihre Erinnerungen nicht verarbeiten. Wie sie einen ganzen Tag weinend unter Tr\u00fcmmern ausharren musste. Noch heute wache sie in der Nacht panisch auf, sagt die Mutter. Ihre Tochter habe sich seit dem Erdbeben ver\u00e4ndert. Sie blinzelt nerv\u00f6s, wiederholt W\u00f6rter, lacht nicht.<\/p>\n<p class=\"P\">Und immerzu spricht sie vom Weltuntergang. Dass die Berge auf das Dorf herabst\u00fcrzen. Dass sich die Erde \u00f6ffnet und sie verschluckt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Internationale Organisationen wollen das Leid der Bev\u00f6lkerung nach dem verheerenden Erdbeben in Nepal lindern. Doch nicht jede Hilfe ist sinnvoll Es riecht nach Desinfek\u00adtionsmittel und Leid. Patienten st\u00f6hnen, liegen bleich auf ihren Betten. Pl\u00f6tzlich h\u00f6rt man das helle Lachen eines M\u00e4dchens. Weisse Z\u00e4hne blitzen. Eifrig folgt Nirmala, 6, den Anweisungen des Physiotherapeuten und freut sich &hellip; <\/p>\n<p class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/fionaendres.ch\/Wordpress\/nirmala-lacht-sati-redet-vom-weltuntergang\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">\u201eNirmala lacht, Sati redet vom Weltuntergang\u201c<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[27,4],"tags":[],"class_list":["post-393","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-menschen","category-allgemein"],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p6q6BC-6l","jetpack-related-posts":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/fionaendres.ch\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/393"}],"collection":[{"href":"https:\/\/fionaendres.ch\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/fionaendres.ch\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fionaendres.ch\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fionaendres.ch\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=393"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/fionaendres.ch\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/393\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":394,"href":"https:\/\/fionaendres.ch\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/393\/revisions\/394"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/fionaendres.ch\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=393"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/fionaendres.ch\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=393"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/fionaendres.ch\/Wordpress\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=393"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}